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UNESCO-Weltkulturerbe: Sassi – die Höhlensiedlung von Matera

Sassi von Matera ist eine uralte Höhlensiedlung in der gleichnamigen italienischen Stadt. Matera – die Stadt, die aus dem Felsen zu wachsen scheint - liegt in der Region Basilikata und war im Jahr 2019 Kulturhauptstadt Europas. 

Höhlenwohnungen seit der Jungsteinzeit

Als Sassi di Matera werden die Höhlenwohnungen in zwei Schluchten bezeichnet, die der Fluss Gravina in hunderttausenden Jahren aus dem Kalkstein gewaschen hat. Sie tragen die Namen Sasso Caveoso und Sasso Barisano. Vor zehntausend Jahren haben Menschen damit begonnen, das weiche Kalkgestein auszuhöhlen und Unterschlüpfe anzulegen. Unzählige dieser Höhlenwohnungen entstanden seit des Neolithikums in Matera. Sie stapeln sich übereinander und sind über ein Labyrinth aus Treppen, Wegen und Durchgängen miteinander verbunden. Durch die jahrtausendelange Benutzung sind die Treppenstufen und das Kopfsteinpflaster spiegelglatt poliert.

Das Armenhaus Italiens in den 1950er Jahren

Bis in die 1950er Jahre waren die Felswohnungen in der Höhlensiedlung von Matera bewohnt. Der italienische Arzt Carlo Levi wurde während der faschistischen Diktatur unter Mussolini in die Basilikata verbannt und beschrieb das Elend der Höhlenbewohner anschaulich in seinem Buch „Christus kam nur bis Eboli“. Demnach lebten am Ende der 1940er Jahre ganze Familie in den dunklen Höhlen auf engstem Raum zusammen mit Hunden, Ziegen, Schafen und Schweinen. Levi berichtete von ausgemergelten Frauen und unterernährten Kindern. Der Geruch von Exkrementen und Müll zog durch die Höhlen und breitete sich in den Schluchten aus. 

Mehr als 15.000 Menschen lebten bis zum Beginn der 1950er Jahre unter menschenunwürdigen Bedingungen in der Sassi di Matera. Es war das Armenhaus Italiens. Die Bewohner wurden von Krankheiten wie Ruhr, Malaria und Typhus geplagt. In der Presse tauchten nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges Berichte auf, die das Elend in der Höhlensiedlung thematisierten. Der Druck auf die italienische Regierung wuchs und im Jahr 1952 wurden die Höhlenwohnungen schließlich geräumt. Die Bewohner wurden gezwungen, in Mehrfamilienhäuser zu ziehen, die eigens für sie errichtet worden waren. 

Video: Matera: Europäische Kulturhauptstadt

Auferstanden aus den Trümmern

Nachdem die letzten Bewohner umgesiedelt waren, blieben die Höhlenwohnungen in Matera verlassen zurück. Langsam verfielen sie. Die Eingänge in vielen ehemaligen Behausungen wurden mit rostigen Blechen verrammelt und Mauersegler, Eidechsen und streunende Katzen wurden zu den einzigen Bewohnern. Doch Jahre später besann sich die italienische Regierung und begann damit, dem einzigartigen kulturellen Schatz neues Leben einzuhauchen. Zahlreiche Höhlenwohnungen in Matera wurden renoviert und schon bald zogen Weinstuben, Cafés, Restaurants und sogar ein Hotel ein. 

Touristenattraktion in der Basilikata

Die Höhlensiedlung von Matera ist heute eine Touristenattraktion in der Basilikata und zieht Besucher aus allen Teilen der Welt an. Die gesamte Stadt hat den Charakter eines riesigen Freilichtmuseums angenommen. Viele Reisende unterbrechen den Urlaub in einem Ferienhaus in Italien für eine Nacht und entscheiden sich für eine Übernachtung in einer ehemaligen Höhlenwohnung. Natürlich hat dieses Erlebnis heute nicht mehr den Abenteuerfaktor, wie noch vor 70 Jahren. Fließendes warmes Wasser, Sat-TV und Federkernmatratze sind heute Standard in den Höhlenwohnungen. Dennoch lässt sich angesichts der nackten Felswände und grob behauenen Steine erahnen, wie entbehrungsreich das Leben in der Höhlensiedlung von Matera einst war. 

Gesetz zur Wiederbesiedlung

Nachdem die Bewohner der Sassi in den 1950er Jahren ihre Behausungen im Rahmen einer Zwangsumsiedlung verlassen mussten, hat die italienische Regierung inzwischen ein Gesetz zur Wiederbesiedlung aufgelegt. Wer sich bereit erklärt, eine Höhlenwohnung originalgetreu zu restaurieren, darf sich auf großzügige finanzielle Unterstützung freuen. 

Allerdings ist diese Unterstützung an Auflagen geknüpft. Es dürfen ausschließlich Original-Baumaterialien (Tonziegel und Kalkstein) verwendet und die renovierten Wohnunterkünfte dürfen nicht weiter verkauft werden. Diese Auflagen in Verbindung mit der Tatsache, dass in den Innenräumen aus Kalkstein immer ein feuchtes Klima herrscht, mag der Grund dafür sein, dass sich die Nachfrage von Privatpersonen bislang in Grenzen hält. 

Besuch in der Casa Grotta del Casalnuovo

Wer sich eine Vorstellung vom entbehrungsreichen Leben in der Sassi di Matera machen will, sollte einen Besuch in der Casa del Casalnuovo einplanen. Dieses Museum besteht aus fünf Wohnhöhlen, die zusammengewachsen sind. Wasser wurde in einer Zisterne gesammelt, die Toilette bestand aus einer Grube. Regale und Ablageflächen meißelten die Bewohner einfach aus dem Kalkstein. 

Neben dem Schlafraum befand sich der Stall, in dem Ziegen und Schafe gehalten wurden. In der Nähe der Tiere war es im Winter wärmer. Über der Schlafstelle für die Erwachsenen hing die Baby-Wiege und der Nachwuchs schlief teilweise in den geöffneten Schubladen von Sideboards. Beklemmend muss die Dunkelheit im Inneren einer Höhlenwohnung gewesen sein, denn Tageslicht fiel nur durch die Tür herein. 

UNESCO-Welterbestätte Matera

Wegen der herausragenden kulturhistorischen Bedeutung wurden die Sassi di Matera im Jahr 1993 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen. Besucher sind fasziniert von der Höhlenstadt, in der es neben Wohnungen auch Felsenkirchen und heilige Grotten gab. Die einzigartige Kulisse lockte in Vergangenheit und Gegenwart auch Filmproduzenten an, die hier Außenaufnahmen machten. Zu den bekanntesten Hollywood-Streifen, die in Matera gedreht wurden, gehört „Die Passion Christi“ aus dem Jahr 2004 mit Mel Gibson in der Hauptrolle. Auch Szenen aus dem Remake des Horror-Klassikers „Das Omen“ (2006), der Fantasy-Verfilmung „Wonder Woman“ (2017) und aus dem James-Bond-Blockbuster „Keine Zeit zu sterben“ (2021) wurden vor der Kulisse der Höhlensiedlung von Matera gedreht.

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