Karneval in Venedig

Der Karneval in Venedig – von Masken, Engeln und Eierwürfen

ID 112133374 © Giampaolo Cianella | Dreamstime.comDer ‚Carnevale di Venezia’ ist weltbekannt und beruht auf einer jahrhundertealten Tradition – und doch war früher alles ganz anders ... Zwar gab es auch im 18. Jahrhundert – der Hochzeit des Karnevals – zahllose Feste, pompöse Umzüge, fantasievolle Masken, eindrucksvolle Feuerwerke und (mehr als) ausgelassene Stimmung auf Plätzen und Gassen, aber der historische Karneval war damals viel mehr geprägt von wahrhaft prächtigen Maskenbällen sowie festlichen Aufführungen von Schauspielen und Opern.

Hinzu kamen blutige Attraktionen wie die beliebten Bullenhatzen oder Kämpfe zwischen Hunden und Bären. Darüber hinaus wurden die verschiedensten Lotterien veranstaltet, exotische Tiere in Zwingern präsentiert, trieben zahllose Astrologen und Quacksalber ihr (Un)wesen und es versammelten die beliebten Marionettentheater ihr geneigtes Publikum. Zudem zeigten Akrobaten und Seiltänzer ihre teils waghalsige Kunst in der ganzen Stadt. Menschliche Pyramiden wurden gebildet und ausgelassen die arabische ‚moresca’ getanzt. Hinzu kamen seltsame Bräuche wie der ‚Eierwurf’, bei dem zwischen schönen und hässlichen Frauen unterschieden wurde, indem die Männer die vermeintlich weniger attraktiven mit Eiern bewerfen durften.

Das Fest erreichte seinen Höhepunkt mit dem sog. ‚Engelsflug’, der erstmals im Jahre 1548 durchgeführt wurde: Damals balancierte ein schwindelfreier Akrobat auf einem doppelten Seil, das an einem Floß in der Bucht vor dem Markusplatz verankert war, bis zur Spitze des fast 100 m hohen Campanile empor. Oben angekommen warf er Blumen in die Menge und stieg schließlich wieder zur Tribüne vor dem Dogenpalast hinunter. Fastnachtsdienstag, am letzten Tag des Karnevals, erreichte das Fest schließlich seinen unübertroffenen Höhepunkt: Tausende von Maskenträgern liefen durch die mit Fackeln beleuchteten Straßen, bis dann vor dem Markusplatz eine riesige Figur mit der Maske des ‚Pantalone’ in Flammen aufging.

Karneval in Venedig - Maskenspiele und lockere Sitten

Ein erstes Karnevalsfest wird in Venedig erstmals für das Jahr 1094 erwähnt. Hauptsächlich geht die Tradition aber auf das 12. Jahrhundert zurück, als man alljährlich – und immer ausgelassener – den wichtigen Sieg Venedigs über Aquileia im Jahr 1162 feierte. Aus diesem Grund nahm selbst der Doge gemeinsam mit dem Senat und den Botschaftern traditionell an den Feierlichkeiten teil. Für das 13. Jahrhundert sind dann die ersten Masken verbürgt. Ausgehend von den italienischen Fürstenhöfen entwickelten sich seit dem Spätmittelalter immer prunkvollere und aufwändigere Formen. Für heutige Zeitgenossen ungewohnt, startete in ‚bella Venezia’ der Karneval bereits am 26. Dezember und dauerte bis Aschermittwoch – dem Beginn der Fastenzeit. Der Donnerstag vor Aschermittwoch markierte dann der Beginn der eigentlichen Fastnacht. Zu Lebzeiten Giacomo Casanovas im 18. Jahrhundert erreichte der Karneval schließlich seine größte Pracht, zugleich wurden die Sitten immer lockerer, und man gab sich – geschützt durch Larven und Masken – jeden erdenklichen Gelüsten hin ...

Vor allem die Halbmaske wurde während des Karnevals getragen, die lediglich einen Teil des Gesichtes bedeckte. Sie war die ursprüngliche Theater- bzw. Sprechmaske, die zum einen das Sprechen erleichterte und den großen Vorteil bot, ohne größere Schwierigkeiten essen und trinken zu können. Aber selbstverständlich gab es noch eine Vielzahl weiterer Masken und Verkleidungsmöglichkeiten. Ein typisches, fast ständig getragenes Maskenkostüm war beispielsweise die sog. ‚baùta’, eine Verkleidung für Frauen wie Männer. Sie bestand aus einem schwarzen Umhang aus Samt oder Seide mit einer Kapuze, über die eine schwarze oder weiße Maske (‚volto’ oder ‚larva’) gezogen wurde und das Gesicht bis zum Mund oder Kinn bedeckte. Dazu wurde der venezianische Dreispitz getragen.

ID 86520925 © Pietro Ebner | Dreamstime.comDie Maskierung war in Venedig so beliebt, dass sie auch außerhalb des Karnevals erlaubt war - so in den zwei Wochen vor Pfingsten und anschließend bis Mitte Juni. Außerdem war das Tragen von Masken in der Zeit vom 5. Oktober bis 16. Dezember möglich. Zu offiziellen Banketten und anderen Feierlichkeiten der ‚Serenissima’ ging man immer mit Maske und Umhang. Des Weiteren verkleideten sich Glücksspieler zum Schutz vor ihren Gläubigern und selbst verarmte Adlige beim Betteln an den Straßenecken. Lediglich an kirchlichen Feiertagen war das Maskentragen verboten.

Das Herstellen und Verkaufen der Masken entwickelte sich für die Markusrepublik zudem zu einem äußerst einträglichen Geschäft – nicht nur im eigenen Stadtgebiet. So wurden Länder in ganz Europa mit den beliebten Masken beliefert. Bis 1820 gab es eine umfangreiche Maskenproduktion in Venedig, die schließlich der französischen Billigkonkurrenz weichen musste.

Die Blütezeit des Karnevals in Venedig endete abrupt im Jahre 1797. Denn dann wurde die Markusrepublik durch französische Revolutionstruppen unter Napoleon erobert und verlor ihre Selbständigkeit. Es folgte ein stetiger wirtschaftlicher Niedergang, der pompöse Prozessionen und Festumzüge nicht mehr möglich machte. In der Zeit der österreichischen Besatzung im 19. Jahrhundert boykottierten die Venezianer zudem fast alle öffentlichen Feste, und viele Theater blieben geschlossen. Erst nach der Vereinigung Venedigs mit Italien am 18. Oktober 1866 gab es erste Bestrebungen, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen.

Und wieder Casanova ...

Aber erst Casanova löste wieder eine nachhaltige Wiederbelebung des ‚Carnevale di Venezia’ aus – zumindest Federico Fellinis gleichnamiger Film aus dem Jahre 1976. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern gelang es dem Regisseur, die alte Tradition insbesondere während der Biennale 1979 einem internationalen Publikum bekannt zu machen. Seitdem wuchs und wuchs der Karneval vom Jahr zu Jahr wieder an. Auch althergebrachte Theaterformen wie die ‚Commedia dell’arte’ wurden wiederentdeckt. Nach deren Personal werden seitdem wieder viele moderne Karnevalsmasken gestaltet: die des ‚Harlekin’, der schlauen ‚Colombina’, des ‚Brighella’, des einfallsreichen Dieners, des ‚Pulcinella’, des eitlen ‚Dottore’ oder des prahlerischen ‚Capitano’.

Heutzutage wird der Karneval offiziell 10 Tage vor Aschermittwoch an einem Sonntag eröffnet. Erste Festlichkeiten starten aber oft bereits eine Woche früher. Bei der modernen Fassung des Engelsflugs, des ‚Volo dell' Angelo’, schwebt nunmehr gut gesichert ein Artist an einem Stahlseil vom Campanile herab über den Markusplatz. Auf verschiedenen Bühnen kann man künstlerische und artistische Darbietungen bewundern. Auch Sie als Ferienhaus-Urlauber können nach Lust und Laune in selbstgemachten oder gekauften Kostümen durch die Stadt flanieren und sich unter die Menschen(massen) mischen. Denn manchmal wird es auch recht eng – insbesondere um das karnevalistische Epizentrum herum - dem Markusplatz. Die meisten Besucher kommen dabei am Wochenende vor Aschermittwoch. Die folgenden Tage sind dann mit zahlreichen Paraden, Bühnenshows und Musikauftritten gefüllt. Für die Kostümierten bilden schließlich die Parade und die Preisverleihung für das schönste Kostüm am Sonntag den lang erwarteten Höhepunkt.

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