Turiner Grabtuch

Das ‚Turiner Grabtuch’ – Reliquie oder Fälschung?

ID 84260420 © Daria Trefilova | Dreamstime.comDas ‚Turiner Grabtuch’ (ital.: ‚Sindone di Torino’ oder ‚Sacra Sindone’) ist eines der am meisten untersuchten Objekte überhaupt. Es handelt sich hierbei um ein ca. 4,40 m langes und 1,10 m breites Leinentuch, das den gesamten Körper, d. h. die Vorder- wie Rückseite eines nackten bärtigen Mannes zeigt, der Spuren einer Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung und Brustöffnung aufweist – ganz wie in der Bibel von Jesus Christus geschrieben wurde.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts wird das Tuch in der sog. ‚Grabtuchkapelle’ des Turiner Doms aufbewahrt.

Das ‚Sindone’ wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt und 1357 zum ersten Mal in der Stiftskirche in Lirey bei Troyes präsentiert. Zur gleichen Zeit entstanden jedoch noch weitere ‚originale’ Grab- und Schweißtücher. Auch die Technik einer Leinenmalerei mit Temperafarbe, die ungewöhnlich transparente Darstellungen ermöglichte, war bekannt. Die Echtheit des Grabtuches wurde dementsprechend schnell bezweifelt. So ließ bereits der Bischof von Troyes dem Gegenpapst Clemens VII. im Jahre 1392 mitteilen, dass ein Künstler die Fälschung gestanden habe und das Tuch somit keine Reliquie sei. Nachdem das Tuch 1453 in den Besitz des Herzogs von Savoyen überging, änderte sich allerdings die Auffassung der Kirche, und es wurde als das Tuch verehrt, in das Jesus bei seinem Begräbnis gelegt wurde. Heutzutage bezeichnet es die katholische Kirche als Ikone, also als Bild, und nicht als Reliquie. Ungeachtet dessen verehren immer noch viele Gläubige das Tuch als das wahre Grabtuch Christi.

Bei einem Brand im Jahre 1532 wurde das gefaltete Tuch beschädigt. Seitdem trägt es symmetrische Brandflecken sowie Flecken durch das Löschwasser. Die Brandlöcher wurden zwei Jahre später von Nonnen vernäht. 1578 wurde das Grabtuch dann nach Turin gebracht, der neuen Residenzstadt des Hauses Savoyen, wo es bis heute in der Kathedrale von Turin, dem ‚Duomo di San Giovanni’, aufbewahrt wird. Bei einem weiteren schweren Brand in der Kapelle am 12. April 1997 blieb das Tuch jedoch unversehrt. Ein mit Argon befüllter Spezialcontainer schützt es seitdem vor widrigen Umwelteinflüssen. Bei Konservierungsarbeiten im Jahr 2002 wurden die Brandlochflicken wieder entfernt, ein neues Stütztuch untergenäht und die Falten geglättet, die durch die mehr als vierhundertjährige Aufbewahrung in gerolltem Zustand entstanden waren.

Das Grabtuch wird nur selten zu unregelmäßigen Anlässen öffentlich oder nicht-öffentlich gezeigt, das letzte Mal am 10. August 2018. Wie alle anderen müssen Sie sich als Ferienhaus-Urlauber also noch etwas gedulden, denn die nächste öffentliche Ausstellung ist erst für das Heilige Jahr 2025 vorgesehen.

Mehr Krimi geht nicht, das ‚Turiner Grabtuch’

ID 141947057 © Alessandro Cristiano | Dreamstime.com1898 wurde das Tuch erstmals fotografiert. Interessanterweise stellte man fest, dass die Abbildung auf dem Negativ viel plastischer und und detailreicher war als das Original. Diese Tatsache trug dazu bei, dass das Interesse der Wissenschaft und der Öffentlichkeit erheblich zunahm und erste wissenschaftliche Untersuchungen stattfanden. Auch die Verehrung des ‚Sindone’ nahm stark zu.

Heutzutage ist das Turiner Grabtuch das am häufigsten und am besten untersuchte historische Objekt. Kaum ein Aspekt wurde in den vergangenen Jahrzehnten unerforscht gelassen – ein wahrer Wissenschaftskrimi entstand, an dem Dan Brown sicherlich seine Freude gehabt hätte ... Thesen und Gegenthesen wurden entwickelt, zahllose Versuche unternommen und anerkannt, um von anderer Seite wieder bezweifelt zu werden, Ergebnisse präsentiert und zurückgewiesen, Verleumdungen aufgestellt, Proben (eventuell) verunreinigt oder gar vertauscht, Klagen eingereicht und fantasievolle Verschwörungstheorien entwickelt.

Untersucht wurden u. a. Alter und Beschaffenheit des Tuchs, eventuell vorhandene Blutspuren und Farbpigmente, die Pollenbelastung, die Arten der Verletzungen und Kreuzigungsmethoden sowie mögliche Malweisen oder sogar erste fotografische Abbildungsmöglichkeiten. Historische Quellen wurden herangezogen und Vergleiche zu anderen Schweißtüchern und Grabtüchern angestellt. Fakt ist jedoch, dass bemerkenswerterweise keine Theorie das Rätsel um das Tuch, die Art der Abbildung oder seine Entstehung mit Sicherheit erklären kann! So gelten folgende Eigenschaften als einzigartig: Obwohl die Details im Negativ wesentlich realistischer und besser zu sehen sind als im Original, was für ein zweidimensionales Bild oder eine Vorform der Fotografie spräche, wird bei Übertragung der Helligkeitsparameter des Negativs in ein Höhenrelief eine Dreidimensionalität des abgebildeten Gegenstands nahegelegt. Andererseits ist die Abbildung weitestgehend verzerrungsfrei, wie wenn man eine Fotografie auf eine ebene Fläche projizierte. Demgegenüber müssten jedoch erhebliche Verzerrungen entstehen, wenn ein um einen Körper geschlagenes Tuch ausgebreitet würde. Diese sind bei dem Abbild auf dem Tuch nur in wenigen Details, im Gesicht aber fast gar nicht zu erkennen.

1988 – das Jahr der Wahrheit?

Licht ins Dunkel brachten für Viele dann die Radiokohlenstoffdatierungen aus dem Jahre 1988, falls man nicht Verunreinigung oder bewusste Vertauschung der benutzten Proben unterstellte. Die Ergebnisse datierten das Tuch nämlich zwischen 1260 und 1390, wobei das Jahr 1325 als wahrscheinlichstes Entstehungsdatum angenommen wurde. Die erste Präsentation des Tuches in der erwähnten Stiftskirche bei Troyes im Jahre 1357 wäre somit plausibel erklärbar. Weitere entstandene Schweiß- und Grabtücher aus der gleichen Zeit weisen somit auf eine bewusst unternommene Reliquienfälschung. So gibt es beispielsweise auf dem sog. ‚Schleier von Manoppello’, einem weiteren Grabtuch, ein Abbild eines Mannes mit geöffneten Augen, dessen Gesichtsverletzungen sich mit denen des Tuchs von Turin und auch dem ‚Schweißtuch von Oviedo’ decken. Dieses entstammt laut Radiokarbonmethode dem 7. Jahrhundert und zeigt Schweiß und Blut von Gesichtswunden. Beide Tücher könnten dem Künstler somit als Vorlage gedient haben. Aufgrund der außerordentlichen Qualität der Abbildung waren in diesem Falle jedoch außerordentliche Kunstfertigkeiten nötig gewesen. Kein Wunder, dass einige auch Leonardo da Vinci dafür verantwortlich machten – der lebte allerdings erst wesentlich später ...

Einen weiteren Beweis für eine mögliche Fälschung lieferte der italienischen Chemiker Luigi Garlaschelli im Jahre 2009. Er stellte Leinen mit mittelalterlichen Methoden her und ließ den Stoff anschließend künstlich altern. Dann deckte er das Tuch über einen Probanden und rieb dessen Umrisse mit einer säurehaltigen rötlicher Pigmentpaste ab, wie sie im Mittelalter bekannt war. Nachdem die Farbstoffe etwa eine halbe Stunde eingewirkt hatten, blieb ein Abbild auf dem Stoff zurück. Abschließend versetzte er ihn mit Blutspuren, Brandlöchern und Wasserflecken. Das Ergebnis wies tatsächlich eine starke Ähnlichkeit zum Turiner Grabtuch auf!

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