Der Vatikan

Der Vatikan – Zwergstaat, Sitz des Papstes und künstlerische Schatzkammer

ID 92303052 © Nigel Hoy | Dreamstime.comDer kleinste Staat der Welt – das ist der Vatikan, der auch ‚Vatikanstadt’ oder ‚Vatikanstaat’ genannt wird (ital.: ‚Stato della Città del Vaticano’). Und dabei weist dieser ‘Zwerg’ unter den sog. ‘Zwergstaaten’ noch eine weitere Reihe von Kuriosa auf:

So ist er mit einer Fläche von 0,44 m² und mit knapp 1000 Einwohnern nicht nur der Fläche, sondern auch der Zahl seiner Einwohner nach der kleinste Staat auf Erden, besitzt als einziger Latein als Amtssprache, ist eine absolute Wahlmonarchie mit einem religiösen Führer als Regierungschef und hat – bezogen auf die Bevölkerungszahl – die höchste Kriminalitätsrate der Welt. Diese rührt allerdings (fast) ausschließlich von den Millionen nicht immer ganz gesetzestreuen Touristen und Besuchern her, die alljährlich in den Vatikanstaat strömen. Dafür nennt er mit der Schweizergarde die älteste und kleinste Armee der Welt sein eigen und ist das einzige Land, das in seiner Gesamtheit als Weltkulturerbe gilt. Hinzu kommt, dass sein Staatsgebiet, auf dem sich u. a. der Petersdom, der Petersplatz, der Apostolische Palast, die Sixtinische Kapelle sowie die Vatikanischen Museen befinden, vollkommen von der italienischen Hauptstadt umschlossen wird. Fast die Hälfte des Territoriums machen zudem die Vatikanischen Gärten aus. Daneben existiert jedoch noch eine Vielzahl exterritorialer Besitzungen – zum Beispiel der ‚Palazzo Pio’, der ‚Campo Santo Teutonico’ die römischen Patriarchalbasiliken, der nordwestliche Teil des Gianicolo, verschiedene Paläste in der römischen Altstadt, die päpstliche Sommerresidenz ‚Castel Gandolfo’ sowie der größte Teil der Vatikanischen Audienzhalle. Kurioserweise verläuft die Staatsgrenze nämlich mitten durch die Audienzhalle. Während der päpstliche Thron noch auf vatikanischem Staatsgebiet steht, erleben ihn die Audienzteilnehmer quasi vom italienischen Ausland aus.

Vom Circus zum Papstsitz

ID 33467183 © Valentin Armianu | Dreamstime.comDer ‚mons Vaticanus’, der ‚Vatikanische Hügel’ am rechten Tiberufer wurde erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts zum päpstlichen Regierungssitz und Sitz der Römischen Kurie – zuvor war dies der etwa fünf Kilometer östlich entfernt liegende ‚Lateranpalast’. Die Lateranbasilika (‚San Giovanni in Laterano’), und nicht wie oftmals vermutet der Petersdom, ist bis heute übrigens die Kathedrale Roms und zugleich die ranghöchste Kirche der katholischen Christenheit.

In römischer Zeit befand sich auf dem Vatikan, dem alten Marsfeld, ein Circus, den Nero erbauen ließ, und in dem Hinrichtungen und Martyrien zahlreicher Christen stattgefunden haben sollen. Nördlich davon befand sich ein Friedhof, auf dem angeblich auch der Hl. Petrus begraben wurde. Dort ließ Kaiser Konstantin im 4. Jhd. n. Chr. eine gewaltige Grabeskirche erbauen, die im Laufe der Zeit zum wichtigen Wallfahrtsort wurde. In den folgenden Jahrhunderten entstanden hier noch weitere Gebäude. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches beanspruchten dann die Päpste unter Berufung auf die sog. ‚Konstantinische Schenkung’ die weltliche Herrschaft über das Territorium um Rom. Dieses wurde schließlich zur Keimzelle des künftigen Kirchenstaats.

Nachdem die Päpste Ende des 14. Jahrhunderts aus der sog. ‚Babylonischen Gefangenschaft’ von Avignon wieder nach Rom zurückkehrten, wurden wieder größere Bauprojekte auf dem Vatikan verwirklicht. So waren in der Zwischenzeit viele Gebäude baufällig geworden, die repariert oder ersetzt werden mussten. Vor allem Nikolaus V. entwarf Mitte des 15. Jahrhunderts ambitionierte Baupläne, die allerdings nur teilweise verwirklicht werden konnten. Über die Jahrhunderte hinweg wurde schließlich ein großer, verschachtelter Gebäudekomplex geschaffen und immer wieder erweitert. Kapellen, Verwaltungsgebäude, Wehranlagen und Unterkünfte entstanden neben weiteren Bauwerken. Sixtus IV. ließ zum Beispiel die berühmte päpstliche Hauptkapelle, die ‚Sixtina’, errichten. Den Bau des ‚Apostolischen Palastes’ gab schließlich sein Namensvetter Sixtus V. im Jahre 1589 in Auftrag. Gut 80 Jahre zuvor, nämlich 1506, hatten bereits die Bauarbeiten am neuen Petersdom begonnen, die 1650 abgeschlossen werden sollten. Anschließend erhielt der Petersplatz noch seine heutige Form.

Nach Besetzung des Kirchenstaates während der italienischen Einigung im 19. Jahrhundert erhielt der Vatikanstaat durch die Lateranverträge von 1929 dann wieder seine verloren gegangene Souveränität. Seitdem umfasst er aber lediglich noch das kleine und von einer Mauer begrenzte Gelände um den Petersdom.

Erstklassige Kunst und Architektur wohin das Auge reicht

Der gesamte Vatikan scheint Kunst zu sein. Auf dem Petersplatz, im Dom, in den Kapellen, den Palästen, den großen Innenhöfen, in der Sixtinischen Kapelle und den Gärten – überall werden Sie als Ferienhaus-Urlauber schier überwältigt werden von der Fülle weltberühmter und wirklich absolut erstklassiger Kunstwerke. Neben den Bauwerken mit über 1400 Räumen und einer Grundfläche von 55.000 m² kommen über 100 Brunnen, kaum noch zu zählende Fresken, Gemälde und Skulpturen hinzu, ebenso zahllose prunkvolle Möbel, liturgische Gegenstände und Gewänder sowie herausragende Sammlungen von Münzen, Handschriften und Büchern. Vieles davon können Sie in einem der bedeutendsten Museumskomplexe der ganzen Welt bewundern: den ‚Vatikanischen Museen’. Sie bestehen aus insg. 15 einzelnen Museen und 30 Sammlungen. Hierzu zählen u. a. das ‚Ägyptische Museum’, das ‚Museo Pio Clementino’ die ‚Vatikanische Pinakothek’ und selbstverständlich die berühmten ‚Stanzen Raffaels’ und die ‚Sixtinische Kapelle’.

Papst Julius II. gilt als eigentlicher Begründer der Vatikanischen Museen, nachdem er ausgewählten Besuchern erlaubte, seine kostbare private Antikensammlung mit der berühmten ‚Laokoongruppe’ und dem ‚Apoll von Belvedere’ zu besichtigen. Diese finden Sie heutzutage im ‚Cortile Ottagono’. Anschließend gründeten weitere Päpste ihr jeweils eigenes Museum. Aus den Sammlungen von Clemens XIV. und Pius VI. entstand beispielsweise das ‚Museuo Pio-Clementino’. Während Pius VII. das ‚Museuo Chiaramonti’ gründete, gehen der ‚Braccio Nuovo’ sowie das ‚Gregorianisch-Ägyptische Museum’ wie auch das ‚Gregorianisch-Etruskische Museum’ auf Papst Gregor XVI. zurück. Die Vatikanischen Pinakotheken wurden schließlich von Pius X. in Auftrag gegeben. Hier finden Sie herausragende Werke u. a. von Giotto, Fra Angelico, Perugino, Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian und Caravaggio.

Ganze 7 Kilometer können Sie durch die verschiedenen Sammlungen laufen und haben dann wahrscheinlich immer noch nicht alles gesehen. Jeder Kunstbegeistere könnte hier Tage (oder Wochen) verbringen. Aus diesem Grund unser Tipp: Besorgen Sie sich unbedingt online ein Ticket mit Schnellzugang und planen Sie, welche der künstlerischen Kostbarkeiten Sie unbedingt sehen wollen, denn es gibt hier wirklich viel (zu viel) zu sehen. Und die Wege sind manchmal wirklich lang ...

Die Vatikanischen Gärten – Oasen der Ruhe

Für lange Zeit dienten die Vatikanischen Gärten den Päpsten als Ort der Ruhe und blieben deshalb Besuchern verschlossen. Doch nun sind sie in weiten Teilen der Öffentlichkeit geöffnet und entfalten ihren Charme, dem auch Sie als Ferienhaus-Urlauber sich sicherlich nicht entziehen können. In der grünen Oase finden Sie nicht nur zahllose Blumen, Pflanzen und exotische Gewürze aus aller Herren Länder, sondern auch Skulpturen und Brunnen vieler bekannter Künstler. Die herrlichen Pinien spenden vor allem im Sommer den gerne genutzten Schatten. Die Gärten nehmen mit 20 ha ca. die Hälfte des gesamten Staatsgebietes (44 ha) ein und wurden erstmals unter Papst Nikolaus III. Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt. Zu dieser Zeit bestanden sie jedoch hauptsächlich nur aus einem Klostergarten mit Nutzpflanzen, Kräutern, Obst und Gemüse. Auch ein Hühnerstall war vorhanden. Als der Garten dann aber recht schnell an Wirtschaftlichkeit verlor, wurden die Wiesen ausschließlich noch zur Erholung genutzt. Nach ersten Renaissance-Gärten entstanden ausgedehnte Barocke-Beete, bevor das Augenmerk später auf botanische Zwecke gelegt wurde. Im 19. Jahrhundert fand schließlich die Mode des ‚Englischen Gartens’ Eingang, die bis heute prägend geblieben ist.

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