Mailand

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Mailand – die fleißige Schöne im Norden

ID 80685691 © Olga Demchishina | Dreamstime.comGrößte Industriestadt des Landes, Mode-, Kultur- und Medienmetropole, Sitz der Italienischen Börse, Universitäts- und Messestadt – die Hauptstadt der Lombardei ist vieles und mit ihren ca. 1,4 Millionen Einwohnern zudem die zweitgrößte Stadt Italiens.

Einst von den Kelten gegründet, erlebte Mailand im Römischen Reich unter dem Namen ‚Mediolanum’ einen schnellen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung und wurde im Jahre 286 von Kaiser Diokletian sogar zur Hauptstadt der Weströmischen Reichshälfte erklärt. 313 wurde hier das sog. ‚Edikt von Mailand’ verkündet, worin die Kaiser Konstantin und Licinius allen Christen die lange ersehnte Glaubensfreiheit zusicherten.

Danach erlebte die norditalienische Stadt eine mehr als abwechslungsreiche Geschichte. Im munteren Wechsel stand ‚Milano’, wie die Stadt auf Italienisch heisst, mal unter lombardischer, deutscher, französischer oder auch österreichischer Herrschaft. Im Jahr 1859 fiel sie dann unter Viktor Emanuel II. an das Haus Sardinien-Piemont. Unter ihm erfolgte kurz darauf die Einigung Italiens. Von Mailand aus startete auch der Duce 1922 seinen ‚Marsch auf Rom’, mit dem der italienische Faschismus seinen unheilvollen Siegeszug begann. Im Zweiten Weltkrieg musste die Stadt schließlich erhebliche Zerstörungen erleiden. Wuchs Mailand bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert aufgrund der Industrialisierung sehr schnell, so zogen vor allem in den 1950/60er Jahren nochmals Millionen von Süditalienern nach Mailand und Umgebung, um hier Arbeit zu finden.

Heute ist die lombardische Hauptstadt die führende Wirtschaftsmetropole Italiens. Von den 200 größten Unternehmen des Landes hat rund die Hälfte hier ihren Sitz. Zudem ist Mailand nicht nur für Ferienhaus-Urlauber perfekt zu erreichen: Die Stadt besitzt nämlich drei internationale Flughäfen und ist perfekt in das italienische Schienen- und Autobahnnetz eingebunden.

Besucher und Bewohner der Stadt erleben zumeist sehr warme bis heiße Sommer sowie mäßig kalte, regnerische Winter, in denen es manchmal zu starker Nebelbildung und Schneefällen kommen kann. Vor allem im Juli und August wird es häufig über 35 °C heiß. Oft beeinflusst auch der Föhn das Wetter - insbesondere im Frühjahr.

Die Stadt ist in insg. neun Stadtbezirke (‚Zona’) eingeteilt. Ca. 2,5 Millionen Touristen besuchen jährlich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Eine von ihnen, nämlich das Dominikanerkloster ‚Santa Maria delle Grazie’ mit der berühmten Abendmahldarstellung Leonardos, gehört sogar zum Weltkulturerbe. Charakteristisch für die Stadt sind zudem die sog. ‚Navigli’. Hierbei handelt es sich um Kanäle, die im Mittelalter angelegt wurden und die Stadt mit den Seen und Flüssen Oberitaliens verbinden. Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren sie für die lokale Wirtschaft von großer Bedeutung. Ein Tipp für alle Ferienhaus-Urlauber: Schlendern Sie den ‚Naviglio Grande’ entlang und entspannen Sie in einem der vielen Cafés und Restaurants oder besuchen Sie die interessanten Galerien und Geschäfte, die sich um den ältesten Kanal der Stadt scharen.

Stadt der Gotik und der Renaissance

ID 144691899 © Elena Odareeva | Dreamstime.comAus römischer Zeit finden sich in der Stadt kaum noch Relikte. Eine Ausnahme stellen die sog. ‚Colonne di San Lorenzo’ dar. Diese Kolonnaden entstammen dem 2. Jahrhundert und waren wohl Teil eines Tempels oder einer Therme. Erhalten ist zudem ‚Sant’Ambrogio’ aus dem 4. Jahrhundert - die erste Mailänder Kirche, die nach dem Edikt von Mailand erbaut, aber über die Jahrhunderte hinweg immer wieder umgestaltet wurde.

Im frühen 13. Jahrhundert entstand hingegen der ‚Palazzo della Ragione’, der als Ort für Ratsversammlungen, Gerichtsprozesse, aber auch für Märkte diente. Die Blütezeit der mittelalterlichen Kunst begann dann mit den Visconti, unter deren Herrschaft Mailand zu einem bedeutenden Zentrum der gotischen Kunst wurde. So wurde im Jahre 1386 der Grundstein für den Bau des gewaltigen Doms gelegt, der jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts vollendet wurde. Bereits 1450 fiel die bedeutende und reiche Stadt an das Adelsgeschlecht der Sforza, die Mailand zu einer Perle der italienischen Renaissance machten. Mit Leonardo da Vinci beschäftigten sie lange Jahre ein wahrhaftes Originalgenie. Sein ‚Abendmahl’, das weltberühmtes Wandgemälde im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie, dürfen Sie sich keinesfalls entgehen lassen! Denken Sie jedoch daran, sich rechtzeitig Tickets hierfür zu besorgen, um nicht umsonst anzustehen, denn der Einlass ist begrenzt. Mit dem Ospedale Maggiore, heute Hauptsitz der städtischen Universität, entstand ab 1456 zudem eines der frühesten Krankenhäuser in ganz Europa.

Ebenfalls ein prächtiges Beispiel der Renaissance-Architektur ist das gewaltige ‚Castello Sforzesco’, das anstelle einer zerstörten Burg erbaut wurde und einst Sitz der Mailänder Herzöge war. Heute ist es Heimat des größten Museumskomplexes der Stadt mit insg. neun Museen und Kunstgalerien. Die ‚Pinacoteca del Castello Sforzesco’ beinhaltet z. B. Meisterwerke des 15. bis 18. Jahrhundert, etwa von Canaletto, Tiepolo, Tizian oder Tintoretto. Herausragende Exponate sind selbstverständlich auch die sog. Pietà Rondanini, Michelangelos letzte Skulptur, oder der ‚Codex Trivulzianus’, eine Sammlung von Manuskripten Leonardos. Des weiteren können Sie das Museum für Kunst der Antike, das Archäologische Museum, das Ägyptische Museum, das Museum für Musikinstrumente sowie das Möbelmuseum erkunden.

Doch nicht nur in der Renaissance, sondern auch im Barock wirkten zahlreiche bekannte Architekten und Künstler in Mailand, wie z. B. Caravaggio. Seine Arbeiten finden Sie u. a. in der weltberühmten ‚Pinacoteca di Brera’, die im gleichnamigen barocken Palazzo liegt, und die bedeutendste Gemäldegalerie Mailands darstellt.

Im Jahre 1778 wurde dann eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt, das ‚Teatro alla Scala’ eingeweiht. Seitdem fanden hier zahlreiche Uraufführungen bedeutender Opern statt. Verdis ‚Nabucco’, Ponchiellis ‚La Gioconda’ oder auch Puccinis ‚Madama Butterfly’ und ‚Turandot’ wurden hier aus der Taufe gehoben. Sind Sie Opernfan, dann müssen Sie unbedingt eine der Aufführungen besuchen. Elegante Kleidung ist selbst hier nicht mehr zwingend vorgeschrieben, so dass auch ein ganz spontaner Besuch während Ihres Ferienhaus-Aufenthaltes möglich ist – vorausgesetzt, Sie ergattern eines der begehrten Tickets. Im Gegensatz zur berühmteren ‚Scala’ war das allerdings nicht weniger traditionsreiche ‚Piccolo Teatro di Milano’ das erste Theater mit einem festen Ensemble in ganz Italien.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Mailand schließlich zum industriellen Zentrum Italiens. Zwischen 1865 bis 1877 entstand z. B. die ‚Galleria Vittorio Emanuele II’, die älteste überdachte Einkaufspassage der Welt. Anschließend blühten zahlreiche innovative Stile, die vom Art nouveau und dem Art déco bis hin zum Futurismus reichten, zu dessen bekanntesten Vertretern der Mailänder Künstler Umberto Boccioni zählt. Ab Ende der 1920er Jahre wurde dann schließlich die faschistische Monumentalarchitektur in Mailand sichtbar – ein beredtes Zeugnis hiervon gibt der monumentale Hauptbahnhof ab, der 1931 fertiggestellt wurde.

Markante Bauwerke der Nachkriegszeit sind vor allem Hochhäuser aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. So entstanden das Pirelli-Hochhaus in den Jahren 1956–1960 sowie das Velasca-Hochhaus in den Jahren 1956–1958. Wesentliches städtebauliches Projekt der Neuzeit ist die Neugestaltung des alten Messegeländes in der Innenstadt, an dem sich Architekten wie Zaha Hadid, Isozaki Arati und Daniel Libeskind beteiligten.

Wo sich Mode und Sport die Hand reichen

ID 36054537 © Viorel Dudau | Dreamstime.comIn einer so arbeitsamen Stadt wie Mailand dürfen jedoch auch das ‚Schöne’ und der ‚Genuss’ nicht zu kurz kommen – erst recht nicht bei den zahlreichen Touristen und Besuchern. Gehen Sie einmal ganz unverbindlich shoppen im sog. ‚Quadrilatero d'oro della moda’, dem sog. ‚Goldenen Viereck der Mode’, das nach dem Quadrat der vier Straßen ‚Corso Venezia’, ‚Via Monte Napoleone’, ‚Via Alessandro Manzoni’ und ‚Via della Spiga’ benannt ist, in dem die großen Marken wie Armani, Dolce & Gabbana, Gucci, Prada, Valentino und Versace ihre neuesten Kreationen präsentieren und auf zahlungskräftige Kundschaft warten. Zweimal im Jahr findet zudem die Mailänder Modewoche statt - ein wichtiges Ereignis in der internationalen Modeszene.

Neben all der großartigen Kultur und Mode darf in Mailand aber auch nicht der Sport vergessen werden, denn die Stadt ist natürlich auch Heimat von zwei der erfolgreichsten Fußballvereine der Welt: des AC Mailands und von Inter Mailand. Beide Vereine tragen ihre Heimspiele im ‚Giuseppe-Meazza-Stadion’ im Stadtviertel San Siro aus. Über 80.000 Fans passen in das berühmte Stadion.

Schlägt Ihr Herz eher für den Rad- und Motorsport, dann wissen Sie sicherlich, dass das Radrennen Mailand–Sanremo mit fast 300 Kilometern Strecke das längste Eintagesrennen im Profi-Radsport ist und der Giro d’Italia traditionell in Mailand endet. Die bekannte Rennstrecke in Monza, auf der unter anderem einmal jährlich die Formel 1 zu Gast ist, liegt hingegen nördlich der Stadt.

Obwohl Mailand zuweilen den Ruf hat, eher eine Stadt zum Arbeiten als zum Genießen zu sein, was sicherlich richtig wie falsch zugleich ist, hier noch ein abschließender Tipp, um auch hier das Leben zu genießen: Probieren Sie in einigen der kleinen Bäckereien und Cafés unbedingt den ‚Panettone’, die Mailänder Kuchenspezialität aus Weizensauerteig. Traditionell in der Weihnachtszeit verzehrt, bleibt sie jedoch selbst über Monate hinweg noch frisch - ein ideales Mitbringsel aus dem Ferienhaus-Urlaub also. Und wenn selbst das nicht gegen die zuweilen aufkommende lombardische Hektik helfen sollte, entfliehen Sie einfach in knapp zwei Stunden Fahrt zu den berühmten norditalienischen Seen. Denn weit sind der Gardasee im Osten als auch der Comer See im Norden nun wirklich nicht entfernt!

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