Pisa

Pisa - viel mehr als nur ein schiefer Turm

ID 136788938 © Hdanne | Dreamstime.comOhne jeden Zweifel ist die ‚Piazza dei Miracoli’, der ‚Platz der Wunder’, wie der Pisaner Domplatz auch genannt wird, mit Dom, ‚Schiefem Turm’ und Baptisterium die wichtigste Sehenswürdigkeit der toskanischen Stadt.

Am Fluss Arno gelegen, ist Pisa allerdings nicht nur eine bedeutende Kunst-, sondern auch eine wichtige Universitäts- und Hochschulstadt. Fast die Hälfte der ca. 90.000 Einwohner sind Studierende! Kein Wunder, dass die bedeutende ehemalige Seerepublik in der Nähe zum Ligurischen Meer eine sehr junge und internationale Atmosphäre besitzt.

Vermutlich war Pisa eine etruskische Gründung. Gewissheit herrscht hierüber allerdings nicht. Verbürgt jedoch ist, dass im 6. vorchristlichen Jahrhundert eine griechische Hafenstadt mit dem Namen ‚Pisai’ bestand. Im Jahre 180 v. Chr. wurde diese von den Römern okkupiert, um zur Zeit der Völkerwanderung in den Besitz der Langobarden überzugehen. Als im 11. Jahrhundert umfangreichere Befestigungsanlagen gegen die Sarazenen errichtet wurden, entwickelte sich Pisa zu einer bedeutenden Seefahrerrepublik und befand sich seitdem in Konkurrenz zu Genua. Obwohl die Stadt selbst nie direkt am Meer lag, besaß sie an der nahen Küste mehrere Häfen, u.a. den Porto Pisano. Im Laufe der Zeit lähmten zusätzliche Auseinandersetzungen mit Florenz und Lucca die Kräfte, ebenso innere Kämpfe der Bevölkerung gegen Graf und Erzbischof. Nachdem Florenz Pisa im Jahre 1406 besiegte, wurde die Stadt schließlich in das (Groß)Herzogtum Toskana eingegliedert. Ab 1861 gehörte Pisa zum geeinten Königreich Italien. Berühmte Söhne der Stadt waren Galileo Galilei, nach dem der gleichnamige städtische Flughafen benannt ist, sowie Fibonacci, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Mathematiker.

Der Platz der Wunder – einzigartiges Architekturensemble

ID 95757110 © Anna Pakutina | Dreamstime.comMeistbesuchter Platz Pisas ist natürlich der zum Weltkulturerbe zählende ‚Platz der Wunder’. Und tatsächlich bietet das dortige Ensemble aus Kathedrale, Campanile, Baptisterium und angrenzendem Friedhof, dem ‚Camposanto Monumentale’, ganz wunderbare romanische und gotische Architektur. Zunächst ‚Santa Maria Assunta’, den 1063 begonnenen und gegen Ende des 13. Jahrhunderts vollendeten Dom, dessen gewaltige Außenfassade aus Carrara-Marmor sofort alle Blicke auf sich zieht. Aber auch die beeindruckenden Fresken und Mosaiken im Inneren sollten Sie sich als Ferienhaus-Urlauber nicht entgehen lassen! Die benachbarte Taufkirche, das von 1152 -1394 erbaute Baptisterium, ist mit ihrem Umfang von 107 m und einer Höhe von 54 m sogar die größte Taufkirche der Welt! Von 1173 bis 1372 wurde schließlich die größte Berühmtheit auf dem ‚Platz der Wunder’ erbaut: der ‚Schiefe Turm’. 55 m hoch und vor einigen Jahren kurz vor dem befürchteten Kollaps wieder um ein paar Grad ins Lot gerückt, ist er heute wieder für die zahlreichen Touristen aus aller Welt begehbar. Das architektonische Glanzstück aus über 14.000 Tonnen Marmor bietet von oben - nach ca. 300 Stufen Aufstieg - einen wahrhaft großartigen Rundumblick. Von dort erblicken Sie auch die gotische Fassade des ‚Camposanto Monumentale’, den von 1278-1358 angelegten monumentalen Friedhof, der der Legende nach Erde aus dem Heiligen Land enthalten soll. Die Fresken im Kreuzgang sind absolut sehenswert!

Gehen sie anschließend vom Norden in den Süden der Stadt, so erreichen Sie nach Überquerung des ‚Ponte Solferino’ direkt am Arno die zwar kleine, dafür um so entzückendere Kirche ‚Santa Maria della Spina’ aus dem 13. Jahrhundert. In der Kirche, die lange Zeit einen Dorn aus der Dornenkrone Christi beherbergt haben soll, erwarten Sie Meisterwerke gotischer Kunst - u. a. herrliche Statuen der Madonna sowie des Hl. Petrus und Johannes des Täufers. Weiter südwestlich gelegen, erhebt sich mit der mittelalterlichen Wallfahrtskirche ‚San Piero a Grado’ ein weiteres architektonisches Kleinod. Genau an dieser Stelle, als sich hier noch ein Seitenarm des Arno erstreckte, soll der Apostelfürst Petrus auf seiner Reise nach Rom der Überlieferung nach das erste Mal italienischen Boden betreten haben ... Die romanische ‚Chiesa del Santo Sepolcro’ wiederum ist nach ihrem Vorbild, der achteckigen Grabeskirche in Jerusalem, im 12. Jahrhundert vom Baumeister Diotisalvi erbaut worden.

Neben schönen Kirchen hat die Stadt am Arno allerdings noch anderes Sehenswertes zu bieten - u. a. den bereits 1543 gegründeten Botanischen Garten oder den mit originalen Möbeln eingerichteten ‚Palazzo Blu’, der die Sammlung der Pisaner ‚Cassa di Risparmio’ beherbergt. Hier können Sie Arbeiten von Taddeo di Bartolo, Francesco Neri da Volterra, Agnolo Gaddi und Cecco di Pietro bewundern. Das nicht nur für Kunstkenner interessante ‚Museo delle Sinopie’ wiederum zeigt zahlreiche Sinopien, also Vorzeichnungen von Fresken in rötlicher oder brauner Farbe. Hier befinden sich zum Beispiel auch die Vorzeichnungen vieler wichtiger Fresken aus dem Camposanto Monumentale.

Viele Kerzen und einige starke Männer ...

Gleich zwei Festtage sind in Pisa dem Stadtheiligen San Ranieri gewidmet. So findet alljährlich am Abend des 16. Juni die sog. ‚Luminara’ statt, bei der sämtliche elektrischen Lichter entlang des Arnos gelöscht und Tausende von Kerzen in und um die Fenster sowie in großen Gestellen entzündet werden. Fluss und Promenaden sind dann in märchenhaftes Licht getaucht – ein Muss für alle Romantiker unter den Ferienhaus-Urlaubern! Am 17. Juni hingegen geht es mit der ‚Regata di San Ranieri’ etwas sportlicher zu. Die beiden Ruderteams der südlichen und nördlichen Altstadtviertel wollen jeweils auf der gut zwei Kilometer langen Strecke als erster ins Ziel kommen. Noch handfester präsentiert sich jedoch das Spektakel ‚Gioco del Ponte’ am letzten Sonntag im Juni. Denn hier treten kräftige Männer aus den nördlichen Altstadtvierteln gegen ebensolche aus den südlichen Vierteln an und versuchen lautstark, einen sieben Tonnen schweren Wagen über den ‚Ponte di Mezzo’ ins gegnerische Feld zu schieben. Wenn Sie hier allein das Zuschauen ins Schwitzen gebracht haben sollte, dann kann eine kleine Abkühlung im Meer nicht schaden ... Beliebte Orte hierfür sind beispielsweise Viareggio oder Forte dei Marmi, beide zum Glück nur wenige Kilometer von Pisa entfernt.

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