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Der ‚Schiefe Turm’ – das gerettete Wahrzeichen Pisas

100 m hoch war er geplant – doch bereits nach der Fertigstellung des 3. Stockwerks im Jahre 1178 passierte das Unglück: der Campanile, der freistehende Glockenturm der Pisaner Kathedrale ‚S. Maria dell' Assunzione’ begann sich zu neigen.

Die Arbeiten wurden daraufhin sofort und für viele Jahrzehnte eingestellt – eine Katastrophe für Architekten und Auftraggeber. Heute jedoch ist der ‚Schiefe Turm’ von Pisa, der ‚Torre pendente di Pisa’, zwar nicht das schiefste, aber sicherlich das bekannteste schiefe Gebäude der Welt und zugleich das Wahrzeichen Pisas. Gemeinsam mit Dom, Baptisterium und Friedhof wurde der prominente, nun immerhin noch 55 m hohe Turm auf dem Domplatz, der ‚Piazza dei Miracoli’ (dem ‚Platz der Wunder’), 1987 zum Weltkulturerbe erklärt. Und so ist es für die Einwohner der schönen Stadt sicherlich zu verschmerzen, dass der aus Pisa stammende Galileo Galilei hier nicht die Fallgesetze entdeckt hat, wie es die Legende berichtet, indem er vom Turm zwei Kanonenkugeln herabfallen ließ ...

Der runde Turm mit einem Durchmesser von 12 m besitzt 8 Stockwerke, die von einer umlaufenden Loggia mit Säulen, klassischen Kapitellen und Bögen gesäumt werden und die Motive der Kathedralenfassade wieder aufgreifen. Er besteht aus 14.200 Tonnen weißem Carrara-Marmor. Seine sieben Glocken durften allerdings lange wegen der drohenden Einsturzgefahr nicht läuten. In seinem Erscheinungsbild ist der Turm etwas ganz Eigenes: Er unterscheidet sich von den ansonsten üblichen quadratischen Türmen in Mittelitalien und steht in großem Gegensatz zu den spitz zulaufenden Türmen Nordeuropas. Auf jedem Stockwerk führt eine Tür hinaus auf die Säulengalerie. Der Campanile hatte aber jedoch noch einen weiteren Zweck zu erfüllen: Er sollte als Zufluchtsstätte für den Klerus bei äußerer Gefahr dienen. Maueröffnungen und -vorsprünge ermöglichten es, Gebälk und Fußböden bei Bedarf in jedem Stockwerk einzuziehen und wieder zu entfernen.

1173 begann der Architekt Bonanno Pisano mit der Errichtung des Campanile. Nach Aufsetzen des dritten Stocks kippte der Turm jedoch aufgrund des instabilen Untergrunds um 5 cm nach Süd-Osten, weshalb nicht weitergebaut wurde. Erst 100 Jahre später nahm Giovanni di Simone die Arbeiten wieder auf und beabsichtigte mit dem Aufsetzen von vier speziell angepassten Stockwerken, die Schieflage auszugleichen. Versuche, den Bau durch besondere Maßnahmen wie geneigte Böden oder dünnere und leichtere Mauern auf der überhängenden Seite zu retten, schlugen fehl. Erneut wurde somit die Arbeit unterbrochen. Schließlich vollendete Tommaso Pisano den verkürzten Bau im Jahre 1372.

Video: Nicht mehr ganz so schief: der schiefe Turm von Pisa

Es geht noch schiefer ...

Grund für die weltbekannte Schieflage liegt in dem Untergrund aus lehmigem Morast und Sand, der sich unter dem gewaltigen Gewicht des Turmes verformt. Neuesten Ausgrabungen zufolge steht der Turm am Rande einer ehemaligen Insel und direkt neben einem antiken Hafenbecken, das zur Bauzeit bereits versandet war. Die heutige Schieflage des Turms beträgt rund vier Grad, d. h. der Turm ragt 3,9 m von seiner Vertikalen zur Seite! Damit ist der ‚Schiefe Turm’ allerdings nicht der schiefste Turm der Welt – diesen Titel verdient sich der Turm von Suurhusen in Ostfriesland, wo es bemerkenswerterweise eine besondere Dichte an schiefen Bauwerken gibt. Seine Neigung beträgt sogar 5,07 Grad.

Das Neigen des Turms verlief zwar stetig, verlangsamte sich aber im Laufe der folgenden Jahrhunderte. 1835 unternahm der Architekt Alessandro Gherardesca dann die ersten gutgemeinten Restaurierungsarbeiten, entfernte den schlammigen Boden und ersetzte ihn mit einem Marmorfundament. Das Ergebnis: Eine Katastrophe! Der Turm neigte sich aufgrund des noch stärkeren Gewichtes nun noch schneller. Seit dem Beginn exakter Messungen im Jahre 1911 nahm die Neigung stetig weiter zu. Von den 1930er-Jahren bis 1990 war es sogar eine Verdoppelung, was den Turm erheblich gefährdete. Die Gesamtneigung des Campanile erreichte beängstigende 5,5 Grad.

Nach Jahrhunderten endlich die Lösung ...

Der Campanile wurde jetzt sicherheitshalber für Besucher geschlossen. Eine weltweite Aufforderung, geeignete Lösungen zur Stabilisierung auszuarbeiten, führte schließlich zum Erfolg: Bereits im folgenden Jahr wurden Löcher schräg in den Boden unter dem nördlichen Teil des Turmes gebohrt und ca. 50 m³ Material entfernt. Langsam sackte Erdreich nach, schließlich auch der Boden des Turmes. Der Campanile richtete sich zunehmend auf, und die Neigung wurde auf die bereits erwähnten 4 Grad reduziert. Laut Expertenansicht ist das Bauwerk damit für die nächsten 300 Jahre gesichert. Nach dem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wurde der Turm 2001 wieder zur Besichtigung freigegeben. Besucher können ihn zu jeder Viertelstunde in Gruppen von maximal 40 Besuchern und für eine Dauer von 15 Minuten besteigen.

Nutzen Sie also als Ferienhaus-Urlauber die Gelegenheit, den ‚Platz der Wunder’ vom obersten Stockwerk aus zu genießen – die 300 nötigen Stufen schaffen Sie im Nu! Das Besorgen der Tickets im Voraus sollte allerdings nicht vergessen werden. Vielleicht läutet beim Hinauf- oder Hinabsteigen auch eine der sieben Kirchenglocken, die endlich wieder zu hören sind, aber vorsichtshalber nur noch mit elektromagnetischen Schlaghämmern angeschlagen werden.

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