Lucca – das Freilichtmuseum der Toskana

Im Norden der Toskana liegt Lucca mit seinen knapp 200.00 Einwohnern. Nächstgelegener Flughafen ist Pisa, das man wie die toskanische Küste und verschiedene renommierte Golfplätze mit dem Auto bequem in 20-30 Minuten erreichen kann.

Auch Florenz im Osten ist nicht viel weiter entfernt. Und dabei zählt Lucca mit seinem wunderschönen mittelalterlichen Stadtbild selbst zu den schönsten Orten der Toskana. Nicht umsonst trägt Lucca den Beinamen ‚Freilichtmuseum der Toskana’ - zumal Autos fast vollständig aus dem historischen Zentrum verbannt sind! Auch Sie als Ferienhaus-Urlauber werden begeistert sein von den großen Plätzen, den romanischen Kirchen, hohen Türmen und beeindruckenden Renaissance-Palästen, die von der einstigen Bedeutung der Stadt zeugen. Berühmt ist die Stadt jedoch vor allem für ihre noch vollständig erhaltene Stadtmauer. Die sehenswerte Befestigungsanlage hat dabei eine Länge von 4 km, wurde 1504 begonnen und 1645 fertiggestellt - da war sie aber schon militärisch obsolet geworden. Sie umschließt die gesamte Altstadt und bildet heutzutage eine breite, gepflegte und von Platanen gesäumte Promenade. Von hier aus haben Sie die herrlichsten Blicke über die Gassen, Kirchen, Villen und Gärten sowie die liebliche Umgebung. Deshalb unser Tipp: Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und umrunden Sie oben auf den Mauern unbedingt die gesamte Stadt! Auch Fahrradfahren ist hier übrigens erlaubt.

Lucca fiel als etruskische Gründung des 8. vorchristlichen Jahrhunderts nach seiner Eroberung zunächst an die Römer, nach der Völkerwanderung dann an die Langobarden. Im 13. und 14. Jahrhundert zählte Lucca aufgrund seiner Textilindustrie sogar zu den einflussreichsten europäischen Städten. Insbesondere die Luccheser Seide war hoch begehrt, da ihre Farbenpracht in ganz Europa als unübertroffen galt. Politische Unruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts führten übrigens dazu, dass viele einheimische Färber und Seidenweber nach Venedig flohen, das sich natürlich über die fleißigen Flüchtlinge hoch erfreut zeigte. Lange gelang es der Stadt, sich als aristokratisch geführte Stadtrepublik neben Venedig und Genua zu behaupten, doch schließlich wurde es dem Großherzogtum Toskana eingegliedert. 1861 wurde Lucca dann Teil des vereinten Italiens.

Stadt der Türme und der 100 Kirchen

Das Stadtbild von Lucca wird durch die vielen Kirchen (ca. 100 an der Zahl) und die imposanten Türme geprägt. Ursprünglich gab es sogar über 250 sog. Geschlechtertürme. Einer der letzten erhaltenen ist der 44 m hohe und zum gleichnamigen Palast gehörende ‚Torre Guinigi’, den eine reiche Adelsfamilie im 14. Jahrhundert erbauen ließ. Steigen Sie auf jeden Fall die gut 230 Stufen empor, denn oben erwartet sie eine grüne Überraschung: Eine mit seltenen Steineichen bewachsene Plattform mit einem wunderschönen Ausblick über die roten Dächer der Stadt und die geschwungene Hügellandschadt der ‚Lucchesia’. Bei gutem Wetter erkennen Sie sogar die Gebirgszüge der ‚Garfagnana’ und ‚Alpe Apuane’ im Norden sowie der Pisaner Berge im Süden. Nicht zu vergessen sind die berühmten Luccheser Villen des reichen Bürgertums und Adels mit ihren wunderschönen Gärten auf den stadtauswärts gelegenen Hügeln. Einigen sollten Sie im Sommer Ihren Besuch abstatten - es lohnt sich! Bleiben Sie jedoch nur in der Stadt, dann besuchen Sie dafür unbedingt den berühmten ‚Palazzo Pfanner’ mit seinem traumhaften Garten aus dem Jahre 1667.

Video: Das toskanische Städtchen Lucca | Euromaxx city

Höchster Turm und zugleich ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der ‚Torre delle Ore’, ein 50 m hoher Glockenturm, der bereits seit 1390 eine noch heute funktionierende mechanische Uhr besitzt. Ihr Glockenschlag ist zudem äußerst markant ...

Das historische Zentrum Luccas greift als rechteckig angelegtes Wegenetz unmittelbar auf den römischen Straßenverlauf zurück. Auch die ‚Piazza dell’anfiteatro’ spiegelt das römische Erbe deutlich wieder: So stellt die Piazza den eigentlichen Innenraum des einstigen Amphitheaters dar, während die alten Innenmauern von den heutigen Häusern und Geschäften als Rückwände genutzt werden. An den außenliegenden Mauern können Sie hingegen noch Originalteile des alten Gebäudes entdecken. An dem schönen Platz führt schließlich die ‚Via Fillungo’ vorbei - eine typisch mittelalterliche Straße mit ihren kleinen alten Läden, die zum Entdecken und Bummeln einladen. Im dort gelegenen ‚Caffé Di Simo’ war übrigens Giacomo Puccini Stammgast. Im Inneren sind übrigens noch große Teile der Originaleinrichtung sowie einige Erinnerungsstücke der Künstler erhalten, die das gesellschaftliche Leben Luccas im 19. Jahrhundert prägten.

Giacomo Puccini – Luccas berühmtester Sohn

Die ‚Piazza San Michele’ auf dem ehemaligen Forum Romanum ist ebenfalls sehenswert. Sie bildet gemeinsam mit der Kirche ‚San Michele’ das eigentliche historische Herz der Stadt. Mit dem Bau wurde 1070 begonnen. Beeindruckend sind die Marmorfassade sowie die große Figur des schwertbewehrten Erzengels auf ihrer Spitze! Auf der ‚Piazza San Martino’ hingegen befindet sich die gleichnamige Kathedrale der Stadt. In ihrem Inneren sollten Sie vor allem 2 Meisterwerke bestaunen: Zum ersten das berühmte Holzkruzifix ‚Volo Santo’, das seit Jahrhunderten von zahllosen Pilgern auf ihrem Weg nach Rom aufgesucht wird, und zum zweiten den Marmorsarkophag der ‚Ilaria del Carretto’, den Jacopo della Quercia geschaffen hat.

Ein Besuch Luccas, ohne dem weltberühmten Sohn der Stadt abschließend seine Aufwartung zu machen, wäre (fast) sträflich ... Denn hier wurde im Jahre 1858 Giacomo Puccini geboren. Das Geburtshaus des genialen Komponisten im ‚Corte San Lorenzo 9’, das heute selbstverständlich ein Museum beherbergt, wurde übrigens gemeinsam mit den Geburtshäusern von Giuseppe Verdi und Gioachino Rossini mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.

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